Medizin: Lernpaket

Formelsammlungen, die wichtigsten Lösungsschritte zu jedem Thema und 14 Übungsaufgaben, mit vollständigen Lösungen am Ende.

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1Formeln und Methoden

Interpretation der arteriellen Blutgasanalyse

Normbereiche
pH 7,35–7,45, PaCO₂ 35–45 mmHg (4,7–6,0 kPa), HCO₃⁻ 22–26 mmol/L
ROME
Respiratorisch: PaCO₂ entgegengesetzt zum pH; Metabolisch: HCO₃⁻ gleichsinnig zum pH
Winter-Formel
PaCO₂ = 1,5·HCO₃⁻ + 8 ± 2
Metabolische Alkalose
PaCO₂ ≈ 0,7·HCO₃⁻ + 21
Anionenlücke
AG = Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻) ≈ 8–12
Albuminkorrigierte Anionenlücke
AG + 2,5·(4,0 − alb g/dL) = AG + 0,25·(40 − alb g/L)
Delta-Quotient
(AG − 12)/(24 − HCO₃⁻)
P/F-Quotient
PaO₂/FiO₂
Alveoläre Gasgleichung
PAO₂ = FiO₂·(760 − 47) − PaCO₂/0,8
Serumosmolalität
2·Na⁺ + glucose + urea (2·Na⁺ + glucose/18 + BUN/2,8)

Methode

  1. Lies den pH-Wert ab: unter 7,35 ist es eine Azidose, über 7,45 eine Alkalose.
  2. Finde den Wert, der sie erklärt: Läuft PaCO₂ entgegengesetzt zum pH, ist sie respiratorisch; läuft HCO₃⁻ gleichsinnig mit dem pH, ist sie metabolisch.
  3. Betrachte den anderen Wert: Ist er normal, liegt keine Kompensation vor; ist er in die kompensierende Richtung verändert, ist es eine teilkompensierte Störung; ein normaler pH-Wert bei zwei abweichenden Werten bedeutet vollständige Kompensation.
  4. Vergleiche bei einer metabolischen Azidose PaCO₂ mit der Winter-Formel 1,5·HCO₃⁻ + 8 ± 2 und berechne die Anionenlücke Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻).
  5. Prüfe eine große Anionenlücke mit dem Delta-Quotienten und bei niedrigem Albumin mit der korrigierten Lücke.

Interpretation von EKG-Rhythmusstreifen

Papier (25 mm/s, 10 mm/mV)
1 kleines Kästchen = 0,04 s, 1 großes Kästchen = 0,20 s, 10 mm = 1 mV
Herzfrequenz, regelmäßiger Rhythmus
300 ÷ große Kästchen = 1500 ÷ kleine Kästchen = 60 ÷ RR (s)
Herzfrequenz, unregelmäßiger Rhythmus
QRS-Komplexe in 6 s × 10
Normales PR-Intervall
0,12–0,20 s
Normale QRS-Dauer
< 0.12 s
QTc (Bazett)
QT/√RR
QTc (Fridericia)
QT/∛RR
QTc (Framingham)
QT + 154·(1 − RR)
Sinusfrequenzen
Bradykardie < 60, normal 60–100, Tachykardie > 100 /min
Ersatzrhythmusfrequenzen
junktional 40–60, ventrikulär 20–40 /min
Schnelle Rhythmen
SVT 150–250 /min (schmal), VT > 100 /min (breit)

Methode

  1. Frequenz: Teile bei regelmäßigem Rhythmus 300 durch die großen Kästchen oder 1500 durch die kleinen Kästchen zwischen zwei R-Zacken; zähle bei unregelmäßigem Rhythmus die QRS-Komplexe in 6 Sekunden und multipliziere mit 10.
  2. Rhythmus: Vergleiche die R–R-Intervalle. Gleich ist regelmäßig; ein sich wiederholendes Muster ist regelmäßig unregelmäßig; überhaupt kein Muster ist absolut arrhythmisch.
  3. P-Wellen: Gibt es in Ableitung II vor jedem QRS eine positive P-Welle, alle gleich? Achte auf Flimmer- oder Sägezahnwellen, negative P-Wellen und P-Wellen ohne QRS.
  4. PR-Intervall: vom Beginn der P-Welle bis zum Beginn des QRS, normalerweise 0,12–0,20 s und konstant. Achte darauf, ob es sich verlängert, vor einem ausgefallenen Schlag konstant bleibt oder zufällig wechselt.
  5. QRS-Dauer: unter 0,12 s ist schmal; 0,12 s oder mehr ist breit. Benenne dann den Rhythmus und verwende für das QT QTc = QT/√RR (Bazett) mit Zeiten in Sekunden.

Statistik der evidenzbasierten Praxis

Sensitivität und Spezifität
Se = a/(a + c), Sp = d/(b + d)
Prädiktive Werte
PPV = a/(a + b), NPV = d/(c + d)
Genauigkeit
(a + d)/n
Likelihood-Ratios
LR+ = Se/(1 − Sp), LR− = (1 − Se)/Sp
PPV bei Prävalenz p
Se·p / (Se·p + (1 − Sp)(1 − p))
Odds
Odds = p/(1 − p); p = Odds/(1 + Odds); Nachtest-Odds = Vortest-Odds × LR
Risikomaße
RR = EER/CER, ARR = CER − EER, RRR = ARR/CER
Number needed to treat
NNT = 1/ARR, aufgerundet; NNH = 1/(EER − CER)
Odds Ratio
OR = ad/(bc)
Inzidenzrate
neue Fälle / Personenzeit

Methode

  1. Zeichne die Vierfeldertafel und beschrifte a, b, c und d, bevor du rechnest.
  2. Lies Sensitivität und Spezifität spaltenweise ab, prädiktive Werte zeilenweise.
  3. Stell dir bei einer anderen Prävalenz 10 000 Personen vor und fülle die Tafel mit Se, Sp und der Prävalenz.
  4. Rechne bei einer Likelihood-Ratio die Wahrscheinlichkeit in Odds um, multipliziere und rechne zurück.
  5. Bestimme bei einer Studie zuerst EER und CER; dann RR = EER/CER, ARR = CER − EER und NNT = 1/ARR aufgerundet.

2Übungsaufgaben

1.Anatomie des MenschenMittel

Welche beiden arteriellen Versorgungsgebiete verbindet der Circulus arteriosus Willisii an der Hirnbasis?

  1. ADas jugulare und das vertebrale System
  2. BDas System der A. carotis externa und das arterielle System der A. subclavia
  3. CDie linke und die rechte A. carotis externa
  4. DDas System der A. carotis interna und das vertebrobasiläre System
2.Anatomie des MenschenSchwer

Welches Band wird bei einer Lumbalpunktion als letztes durchstochen, bevor die Nadel in den Epiduralraum gelangt?

  1. ALig. interspinale
  2. BLig. flavum
  3. CLig. supraspinale
  4. DLig. longitudinale posterius
3.Physiologie des MenschenMittel

Wofür steht der QRS-Komplex im EKG?

  1. ADepolarisation der Vorhöfe
  2. BRepolarisation der Vorhöfe
  3. CDepolarisation der Kammern
  4. DRepolarisation der Kammern
4.Physiologie des MenschenSchwer

Warum droht einem Tiefseetaucher beim schnellen Auftauchen die Dekompressionskrankheit?

  1. AUnter hohem Druck gelöster Stickstoff bildet beim Druckabfall Blasen
  2. BDie Lunge fällt bei Druckabfall zusammen
  3. CSauerstoff wird an der Oberfläche giftig
  4. DKohlendioxid kann die Lunge nicht schnell genug verlassen
5.MikrobiologieMittel

Welche Art von Immunität vermitteln Antikörper in der Muttermilch?

  1. ANatürliche passive Immunität
  2. BKünstliche passive Immunität
  3. CKünstliche aktive Immunität
  4. DNatürliche aktive Immunität
6.MikrobiologieSchwer

Ein Blasenkatheter ist von Bakterien in einem Biofilm besiedelt. Warum wird der Katheter meist gewechselt, statt nur Antibiotika zu geben?

  1. ABakterien in Biofilmen sind geschützt und durch Antibiotika viel schwerer abzutöten
  2. BBiofilmbakterien können keine Krankheit verursachen
  3. CBiofilme enthalten nur Viren, daher wirken Antibiotika nicht
  4. DAntibiotika schädigen das Kathetermaterial
7.PharmakologieMittel

Ein Patient mit insulinpflichtigem Diabetes wird bewusstlos mit sehr niedrigem Blutzucker aufgefunden. Es gibt keinen i. v. Zugang. Welches Arzneimittel kann ein geschulter Helfer geben?

  1. AOrales Glukosegel, in den Mund gegeben
  2. BSchnell wirksames Insulin unter die Haut
  3. CGlucagon als Injektion oder Nasenspray
  4. DAdrenalin intramuskulär
8.PharmakologieSchwer

Ein Patient unter Furosemid hat ein Serumkalium von 2,9 mmol/L (mEq/L). Welche EKG-Veränderung ist bei diesem Wert typisch?

  1. AAbgeflachte T-Wellen und prominente U-Wellen
  2. BHohe, spitze T-Wellen
  3. CKurze QT-Zeit mit hohen R-Zacken
  4. DVerbreiterter QRS-Komplex mit Sinuswellenmuster
9.Interpretation der arteriellen BlutgasanalyseMittel
pH7,357,457,17PaCO₂mmHg354543HCO₃⁻mmol/L222615nicht kompensiertteilkompensiertvollständig kompensiert

Eine arterielle Übungs-Blutgasanalyse zeigt pH 7,17, PaCO₂ 43 mmHg (5,7 kPa) und HCO₃⁻ 15 mmol/L. Die primäre Störung ist metabolische Azidose. Wie weit ist sie kompensiert? Klicke deine Antwort an.

pH 7,17PaCO₂ 43 mmHg (5,7 kPa)HCO₃⁻ 15 mmol/L
  1. 1nicht kompensiert
  2. 2teilkompensiert
  3. 3vollständig kompensiert
10.Interpretation der arteriellen BlutgasanalyseSchwer
pH7,357,457,06PaCO₂mmHg354533HCO₃⁻mmol/L22269angemessene Kompensationzusätzliche respiratorische Azidosezusätzliche respiratorische Alkalose

Ein Übungsgas zeigt eine metabolische Azidose: pH 7,06, PaCO₂ 33 mmHg (4,4 kPa), HCO₃⁻ 9 mmol/L. Vergleiche den gemessenen PaCO₂ mit der Winter-Formel. Klicke deine Interpretation an.

pH 7,06PaCO₂ 33 mmHg (4,4 kPa)HCO₃⁻ 9 mmol/L
  1. 1angemessene Kompensation
  2. 2zusätzliche respiratorische Azidose
  3. 3zusätzliche respiratorische Alkalose
11.Interpretation von EKG-RhythmusstreifenMittel
II25 mm/s · 10 mm/mVSinusbradykardienormaler SinusrhythmusVorhofflimmernjunktionaler Rhythmus

Interpretiere diesen Rhythmusstreifen der Ableitung II. Welcher Rhythmus ist es? Klicke auf deine Antwort.

Ableitung II, 25 mm/s, 10 mm/mV1 kleines Kästchen = 0,04 s, 1 großes Kästchen = 0,20 sStreifenlänge 6 s
  1. 1Sinusbradykardie
  2. 2normaler Sinusrhythmus
  3. 3Vorhofflimmern
  4. 4junktionaler Rhythmus
12.Interpretation von EKG-RhythmusstreifenSchwer
II25 mm/s · 10 mm/mVpulslose elektrische Aktivität (PEA)junktionaler RhythmusAsystolieKammerflimmern

Ein überwachter Patient wird bewusstlos und ohne normale Atmung gefunden, und es ist kein Karotispuls tastbar. Der Monitor zeigt diesen organisierten Rhythmus. Wie heißt diese Situation? Klicke deine Antwort an.

Ableitung II, 25 mm/s, 10 mm/mV1 kleines Kästchen = 0,04 s, 1 großes Kästchen = 0,20 sStreifenlänge 6 s
  1. 1pulslose elektrische Aktivität (PEA)
  2. 2junktionaler Rhythmus
  3. 3Asystolie
  4. 4Kammerflimmern
13.Statistik der evidenzbasierten PraxisMittel
Ereigniskein EreignisgesamtBehandlung184666850abKontrolle74166240cd

Übungsaufgabe (erfundene Werte, keine klinische Empfehlung). In einer randomisierten Studie erhielten 850 Patienten eine neue Behandlung und 240 die Kontrollbehandlung. Die Tabelle zeigt, wie viele in jeder Gruppe das Ergebnis (ein unerwünschtes Ereignis wie ein Schlaganfall) hatten. Bestimme das relative Risiko RR für das Ereignis unter der Behandlung. Runde auf zwei Nachkommastellen.

Behandlung: 184/850Kontrolle: 74/240
RR =
14.Statistik der evidenzbasierten PraxisSchwer
p (%)PPV (%)10%PPV = ?100

Übungsaufgabe (erfundene Werte, keine klinische Empfehlung). Ein Screeningtest hat eine Sensitivität von 79 % und eine Spezifität von 93 %. Er wird in einer Population mit einer Prävalenz von 10 % eingesetzt. Bestimme den positiven prädiktiven Wert PPV als Prozentsatz. Runde auf eine Nachkommastelle.

Se = 79%Sp = 93%p = 10%
PPV = %

3Lösungen

1.Anatomie des Menschen

Antwort: D · Das System der A. carotis interna und das vertebrobasiläre System

Warum das die Antwort ist

Der Circulus Willisii verbindet die Aa. carotides internae mit der A. basilaris (gebildet aus den Aa. vertebrales) und ermöglicht so einen gewissen Kollateralfluss.

Antwort

D · Das System der A. carotis interna und das vertebrobasiläre System
2.Anatomie des Menschen

Antwort: B · Lig. flavum

Warum das die Antwort ist

Die Nadel passiert Haut, Lig. supraspinale und Lig. interspinale, dann das Lig. flavum in den Epiduralraum, anschließend Dura und Arachnoidea in den Subarachnoidalraum.

Antwort

B · Lig. flavum
3.Physiologie des Menschen

Antwort: C · Depolarisation der Kammern

Warum das die Antwort ist

Die P-Welle ist die Vorhofdepolarisation, der QRS-Komplex die Kammerdepolarisation und die T-Welle die Kammerrepolarisation. Die Vorhofrepolarisation verschwindet im QRS.

Antwort

C · Depolarisation der Kammern
4.Physiologie des Menschen

Antwort: A · Unter hohem Druck gelöster Stickstoff bildet beim Druckabfall Blasen

Warum das die Antwort ist

In der Tiefe löst sich mehr Stickstoff im Gewebe. Fällt der Druck zu schnell, tritt er als Blasen in Gewebe und Blut aus – die „Taucherkrankheit“.

Antwort

A · Unter hohem Druck gelöster Stickstoff bildet beim Druckabfall Blasen
5.Mikrobiologie

Antwort: A · Natürliche passive Immunität

Warum das die Antwort ist

Mit der Muttermilch übertragene Antikörper (vor allem IgA) vermitteln natürlich erworbene passive Immunität. Sie ist kurzlebig, weil keine Gedächtniszellen entstehen.

Antwort

A · Natürliche passive Immunität
6.Mikrobiologie

Antwort: A · Bakterien in Biofilmen sind geschützt und durch Antibiotika viel schwerer abzutöten

Warum das die Antwort ist

In einem Biofilm leben Bakterien in einer schützenden Matrix, wachsen langsam und können hohe Antibiotikaspiegel tolerieren. Durch Entfernen des Fremdkörpers wird die Infektionsquelle beseitigt.

Antwort

A · Bakterien in Biofilmen sind geschützt und durch Antibiotika viel schwerer abzutöten
7.Pharmakologie

Antwort: C · Glucagon als Injektion oder Nasenspray

Warum das die Antwort ist

Glucagon baut Leberglykogen ab und erhöht den Blutzucker. Einem bewusstlosen Patienten wird nichts oral gegeben, wegen der Gefahr des Verschluckens und der Aspiration.

Antwort

C · Glucagon als Injektion oder Nasenspray
8.Pharmakologie

Antwort: A · Abgeflachte T-Wellen und prominente U-Wellen

Warum das die Antwort ist

Eine Hypokaliämie verursacht flache T-Wellen, ST-Senkung und U-Wellen und erhöht das Risiko von Herzrhythmusstörungen. Spitze T-Wellen und breite QRS-Komplexe sind Zeichen einer Hyperkaliämie.

Antwort

A · Abgeflachte T-Wellen und prominente U-Wellen
9.Interpretation der arteriellen Blutgasanalyse

Antwort: nicht kompensiert

Eine Blutgasanalyse lesen (ROME): zuerst der pH-Wert: unter 7,35 ist es eine Azidämie, über 7,45 eine Alkalämie. Finde dann den Wert, der sie erklärt. PaCO₂ (normal 35–45 mmHg, 4,7–6,0 kPa) ist der respiratorische Teil und läuft bei einer respiratorischen Störung entgegengesetzt (Opposite) zum pH-Wert; HCO₃⁻ (normal 22–26 mmol/L) ist der metabolische Teil und läuft in dieselbe Richtung wie der pH-Wert (Respiratory Opposite, Metabolic Equal). Der andere Wert zeigt die Kompensation: normal bedeutet nicht kompensiert; abnormal in der Richtung, die den pH-Wert zurückzieht, während der pH-Wert noch abnormal ist, bedeutet teilkompensiert; ein normaler pH-Wert bei zwei abnormalen Werten bedeutet vollständig kompensiert. Die Bereiche unterscheiden sich leicht zwischen Laboren; dies sind Übungswerte.

ROME, Wert für Wert

pH 7,17: Azidämie (unter 7,35)
PaCO₂ 43 mmHg: normal (35–45)
HCO₃⁻ 15 mmol/L: niedrig (22–26)

Kompensation

Prüfe klinisch auch die erwartete Kompensation: Die Winter-Formel erwartet PaCO₂ 28,5–32,5 mmHg, der gemessene Wert von 43 mmHg spricht also für eine zusätzliche respiratorische Azidose (eine gemischte Störung). Die Antwort oben ist die Einteilung nach dem ROME-Schema für die Prüfung.

nicht kompensiert

Antwort

nicht kompensiert
10.Interpretation der arteriellen Blutgasanalyse

Antwort: zusätzliche respiratorische Azidose

Erwartete Kompensation: Bei metabolischer Azidose sagt die Winter-Formel PaCO₂ = 1,5·HCO₃⁻ + 8 ± 2 mmHg voraus; ein gemessener Wert über diesem Bereich spricht für eine zusätzliche respiratorische Azidose, darunter für eine zusätzliche respiratorische Alkalose. Die Anionenlücke AG = Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻), normalerweise etwa 8–12 mmol/L, unterscheidet die metabolische Azidose mit großer von der mit normaler Anionenlücke; ein niedriges Albumin verdeckt eine große Lücke (addiere 2,5 pro g/dL, um das das Albumin unter 4,0 liegt). Ein Delta-Quotient (AG − 12)/(24 − HCO₃⁻) zwischen etwa 0,8 und 2 passt zu einer reinen Azidose mit großer Lücke (manche Lehrbücher verwenden 1 statt 0,8), ein Wert darunter zu einer zusätzlichen Azidose mit normaler Lücke und ein Wert über 2 zu einer zusätzlichen metabolischen Alkalose.

Erwarteter PaCO₂

1,5·9 + 8 = 21,5 → 19,5–23,5 mmHg

Vergleichen

gemessen: 33 mmHg → zusätzliche respiratorische Azidose

Antwort

zusätzliche respiratorische Azidose
11.Interpretation von EKG-Rhythmusstreifen

Antwort: junktionaler Rhythmus

Rhythmuskriterien (Ableitung II): Der Sinusrhythmus hat vor jedem QRS eine positive P-Welle, ein konstantes PR von 0,12–0,20 s und einen schmalen QRS: normaler Sinusrhythmus bei 60–100/min, Sinusbradykardie unter 60, Sinustachykardie über 100. Vorhofflimmern: keine P-Wellen, eine Flimmerwellen-Grundlinie und ein absolut arrhythmisches R–R. Vorhofflattern: Sägezahn-Flatterwellen mit etwa 250–350/min bei festem Überleitungsverhältnis wie 2:1 oder 4:1. AV-Block ersten Grades: Sinusrhythmus mit konstantem PR über 0,20 s. Junktionaler Rhythmus: schmaler QRS bei 40–60/min mit fehlenden oder negativen P-Wellen (PR unter 0,12 s oder P nach dem QRS). Eine VES ist ein vorzeitiger, breiter (0,12 s oder mehr), bizarrer QRS ohne P-Welle, mit entgegengesetzt gerichteter T-Welle und meist einer vollständigen kompensatorischen Pause; beim Bigeminus ist jeder zweite Schlag eine VES.

Fünf Schritte

1. Frequenz: R–R = 33 kleine Kästchen, 1500 ÷ 33 ≈ 45 pro Minute.
2. Rhythmus: regelmäßig, jedes R–R beträgt 1,32 s.
3. P-Wellen: negativ, direkt vor jedem QRS.
4. PR-Intervall: 0,08 s, kürzer als 0,12 s.
5. QRS: 0,08 s, schmal (unter 0,12 s).

Interpretation

junktionaler Rhythmus

Antwort

junktionaler Rhythmus
12.Interpretation von EKG-Rhythmusstreifen

Antwort: pulslose elektrische Aktivität (PEA)

Pulslose elektrische Aktivität (PEA): Eine PEA ist auf einem Streifen nicht erkennbar. Der Monitor zeigt organisierte elektrische Aktivität (einen anderen Rhythmus als VF, VT oder Asystolie), doch der Patient hat keinen tastbaren Puls; sie wird also durch die Untersuchung des Patienten erkannt. In den Reanimationsleitlinien für Erwachsene sind PEA und Asystolie die nicht defibrillierbaren Rhythmen des Herzstillstands: hochwertige Herz-Lungen-Wiederbelebung, Epinephrin so früh wie möglich und die Suche nach reversiblen Ursachen (die Hs und Ts, etwa Hypovolämie, Hypoxie, Spannungspneumothorax und Herzbeuteltamponade). VF und pulslose VT sind die defibrillierbaren Rhythmen.

Was der Streifen zeigt

1. Frequenz: R–R = 26 kleine Kästchen, 1500 ÷ 26 ≈ 58 pro Minute.
2. Rhythmus: regelmäßig, jedes R–R beträgt 1,04 s.
3. P-Wellen: negativ, direkt vor jedem QRS.
4. PR-Intervall: 0,08 s, kürzer als 0,12 s.
5. QRS: 0,08 s, schmal (unter 0,12 s).
junktionaler Rhythmus

Was der Patient zeigt

kein Puls trotz organisierter elektrischer Aktivität: pulslose elektrische Aktivität (PEA), ein nicht defibrillierbarer Rhythmus beim Herzstillstand

Antwort

pulslose elektrische Aktivität (PEA)

Antwort

pulslose elektrische Aktivität (PEA)

PEA wird am Krankenbett erkannt, nie allein am Streifen. Dies ist Prüfungsübung, keine klinische Anleitung.

13.Statistik der evidenzbasierten Praxis

Antwort: RR = 0,7

Likelihood-Ratios und Risikomaße: LR+ = Sensitivität/(1 − Spezifität), LR− = (1 − Sensitivität)/Spezifität. In einer Studie sind EER und CER die Ereignisraten mit und ohne Behandlung: RR = EER/CER, ARR = CER − EER, RRR = ARR/CER und NNT = 1/ARR, aufgerundet. In einer Fall-Kontroll-Studie kann nur die Odds Ratio OR = ad/(bc) verwendet werden. Eine Inzidenzrate = neue Fälle/Personenzeit.

Ereignisraten

EER = 184/850 = 0,2165
CER = 74/240 = 0,3083

Relatives Risiko

RR = 0,2165/0,3083 = 0,7021 ≈ 0,7

Antwort

RR = 0,7
14.Statistik der evidenzbasierten Praxis

Antwort: PPV = 55,6 %

Prädiktive Werte hängen von der Prävalenz ab: PPV = Se·p/(Se·p + (1 − Sp)(1 − p)) und NPV = Sp(1 − p)/(Sp(1 − p) + (1 − Se)p). Mit Likelihood-Ratios: Vortest-Odds = p/(1 − p), Nachtest-Odds = Vortest-Odds × LR, Wahrscheinlichkeit = Odds/(1 + Odds). Bei einer Population von N gilt: richtig Positive = N·p·Se und falsch Positive = N·(1 − p)·(1 − Sp). NNT = 1/(CER × RRR), aufgerundet.

Richtig und falsch Positive (pro Person)

Se·p = 0,79·0,1 = 0,079
(1 − Sp)·(1 − p) = 0,07·0,9 = 0,063

Positiver prädiktiver Wert

PPV = 0,079/(0,079 + 0,063) = 0,5563 ≈ 55,6%

Antwort

PPV = 55,6%

Je niedriger die Prävalenz, desto niedriger der PPV desselben Tests.

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