Laborwerte für Pflegefachpersonen: Lernpaket

Formelsammlungen, die wichtigsten Lösungsschritte zu jedem Thema und 8 Übungsaufgaben, mit vollständigen Lösungen am Ende.

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1Formeln und Methoden

Laborwerte und Elektrolyte

Methode

  1. Vergleiche den Wert mit dem Referenzbereich des Labors selbst, dann mit dem Ausgangswert und dem Verlauf des Patienten.
  2. Prüfe die Probe: Hämolyse, eine Verzögerung oder Blut, das nahe einer Infusion abgenommen wurde, kann falsche Ergebnisse liefern.
  3. Verknüpfe den Wert mit seinen typischen Zeichen und mit den Arzneimitteln und Erkrankungen, die ihn verursachen.
  4. Achte auf Wechselwirkungen: Niedriges Kalium oder Magnesium verstärkt die Digoxin-Toxizität; Dehydratation erhöht Lithium.
  5. Handle am Patienten: beurteilen, ein Arzneimittel bei unsicherem Spiegel aussetzen, kritische Werte zurücklesen und die verordnende Person informieren.

Interpretation der arteriellen Blutgasanalyse

Normbereiche
pH 7,35–7,45, PaCO₂ 35–45 mmHg (4,7–6,0 kPa), HCO₃⁻ 22–26 mmol/L
ROME
Respiratorisch: PaCO₂ entgegengesetzt zum pH; Metabolisch: HCO₃⁻ gleichsinnig zum pH
Winter-Formel
PaCO₂ = 1,5·HCO₃⁻ + 8 ± 2
Metabolische Alkalose
PaCO₂ ≈ 0,7·HCO₃⁻ + 21
Anionenlücke
AG = Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻) ≈ 8–12
Albuminkorrigierte Anionenlücke
AG + 2,5·(4,0 − alb g/dL) = AG + 0,25·(40 − alb g/L)
Delta-Quotient
(AG − 12)/(24 − HCO₃⁻)
P/F-Quotient
PaO₂/FiO₂
Alveoläre Gasgleichung
PAO₂ = FiO₂·(760 − 47) − PaCO₂/0,8
Serumosmolalität
2·Na⁺ + glucose + urea (2·Na⁺ + glucose/18 + BUN/2,8)

Methode

  1. Lies den pH-Wert ab: unter 7,35 ist es eine Azidose, über 7,45 eine Alkalose.
  2. Finde den Wert, der sie erklärt: Läuft PaCO₂ entgegengesetzt zum pH, ist sie respiratorisch; läuft HCO₃⁻ gleichsinnig mit dem pH, ist sie metabolisch.
  3. Betrachte den anderen Wert: Ist er normal, liegt keine Kompensation vor; ist er in die kompensierende Richtung verändert, ist es eine teilkompensierte Störung; ein normaler pH-Wert bei zwei abweichenden Werten bedeutet vollständige Kompensation.
  4. Vergleiche bei einer metabolischen Azidose PaCO₂ mit der Winter-Formel 1,5·HCO₃⁻ + 8 ± 2 und berechne die Anionenlücke Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻).
  5. Prüfe eine große Anionenlücke mit dem Delta-Quotienten und bei niedrigem Albumin mit der korrigierten Lücke.

Klinische Pharmakokinetik

Geschwindigkeitskonstante und Halbwertszeit
k = ln 2/t½ = 0,693/t½
Zerfall erster Ordnung
C = C₀·e−kt = C₀·(1/2)t/t½
Zwei Spiegel
k = ln(C₁/C₂)/Δt
Volumen und Clearance
Vd = dose/C₀, CL = k·Vd
Aufsättigungsdosis
LD = Vd·C/(S·F)
Erhaltungsrate
R = CL·Css/(S·F)
Mittlerer Steady State
Css,avg = S·F·D/(CL·τ)
Stationärer Zustand
1 − (1/2)ⁿ nach n Halbwertszeiten; ≈ 97 % nach 5
Infusion
C = (R/CL)(1 − e−kt)
Intervall und Dosis aus Spitzen- und Talspiegel
τ = ln(Cpeak/Ctrough)/k, D = Vd·(Cpeak − Ctrough)
Cockcroft–Gault
CrCl = (140 − Alter) × kg/(72 × SCr mg/dL), × 0,85 bei Frauen
Nierenanpassung
Dosis × CrCl/normal; Dettli Q = 1 − fe·(1 − CrCl/normal)

Methode

  1. Rechne die Halbwertszeit in eine Geschwindigkeitskonstante um: k = 0,693/t½.
  2. Rechne Werte pro kg in Gesamtwerte um: Vd (L) = L/kg × Gewicht, CL (L/h) = L/kg/h × Gewicht.
  3. Wähle die Beziehung: C = C₀·e−kt, LD = Vd·C/(S·F), Erhaltungsrate = CL·Css/(S·F), τ = ln(Cpeak/Ctrough)/k.
  4. Schätze bei der Nierenfunktion zuerst die CrCl nach Cockcroft–Gault und passe dann die Dosis oder das Intervall an.
  5. Prüfe das Ergebnis: Die Spiegel fallen mit jeder Halbwertszeit um die Hälfte, und der Steady State dauert etwa fünf Halbwertszeiten.

2Übungsaufgaben

1.Laborwerte und ElektrolyteMittel

Wann sind während einer Erythrozytentransfusion schwere akute Reaktionen am wahrscheinlichsten, sodass die Pflegefachperson beim Patienten bleibt?

  1. ANach etwa 2 Stunden
  2. BNach dem letzten Tropfen
  3. CAm nächsten Morgen
  4. DIn den ersten 15 Minuten
2.Laborwerte und ElektrolyteSchwer

Ein Patient, der sich von einer akuten Tubulusnekrose erholt, scheidet jetzt 4–5 L Urin pro Tag aus. Auf welche Elektrolytveränderungen sollte die Pflegefachperson achten?

  1. AHohes Calcium und hohes Phosphat durch Knochenabbau
  2. BNiedriges Kalium und niedriges Natrium durch Verluste über den Urin
  3. CKeine Veränderungen, weil die Nieren jetzt normal sind
  4. DHohes Kalium und hohes Natrium durch Retention
3.Interpretation der arteriellen BlutgasanalyseMittel

Übungswerte: Na⁺ 134 mmol/L, Glukose 25,9 mmol/L und Harnstoff 24 mmol/L. Berechne die Serumosmolalität Osm = 2·Na⁺ + Glukose + Harnstoff auf die nächste ganze Zahl.

Na⁺ 134 mmol/LGlukose 25,9 mmol/LHarnstoff 24 mmol/L
Osm = mOsm/kg
4.Interpretation der arteriellen BlutgasanalyseSchwer

Ein Übungsgas, auf Meereshöhe bei 28 % Sauerstoff entnommen, zeigt PaO₂ 83 mmHg (11,1 kPa) und PaCO₂ 32 mmHg (4,3 kPa). Bestimme mit PAO₂ = FiO₂·(760 − 47) − PaCO₂/0,8 den A–a-Gradient.

FiO₂ 28%PaO₂ 83 mmHg (11,1 kPa)PaCO₂ 32 mmHg (4,3 kPa)
A–a-Gradient = mmHg
5.Klinische PharmakokinetikMittel
Vd = 7 L/kgC = 1 mcg/LLD = ? mcg85 kg · S = 1 · F = 0,7

Übungsaufgabe (erfundene Werte, keine klinische Empfehlung). Ein Patient mit 85 kg soll mit digoxin Tabletten aufgesättigt werden, um einen Spiegel von 1 mcg/L zu erreichen. Das Verteilungsvolumen beträgt 7 L/kg und die Tabletten haben eine Bioverfügbarkeit F = 0,7. Bestimme die gesamte orale Aufsättigungsdosis LD in mcg.

85 kgVd = 7 L/kgC = 1 mcg/LF = 0,7
LD = mcg
6.Klinische PharmakokinetikSchwer
Vd = 0,3 L/kg0,5 → 8 mg/LD = ? mg93 kg

Übungsaufgabe (erfundene Werte, keine klinische Empfehlung). Ein Patient mit 93 kg unter regelmäßigen Dosen von tobramycin ist im Steady State. Das Ziel ist ein Spitzenspiegel von 8 mg/L und ein Talspiegel von 0,5 mg/L, und das Verteilungsvolumen beträgt 0,3 L/kg. Welche Dosis D hebt den Spiegel bei schnellen i.v. Dosen vom Tal- auf den Spitzenspiegel?

93 kgVd = 0,3 L/kgCpeak = 8 mg/LCtrough = 0,5 mg/L
D = mg
7.Klinische PflegeMittel

Welche dieser Maßnahmen ist eine nichtmedikamentöse Maßnahme zur Schmerzlinderung?

  1. AUmlagern und Ablenkung
  2. BDen Patienten die ganze Nacht wach halten
  3. CBesuche vollständig untersagen
  4. DDem Patienten sagen, dass der Schmerz nicht echt ist
8.Klinische PflegeSchwer

Ein Patient mit Rückenschmerzen entwickelt Taubheit um Anus und Genitalien und neue Schwierigkeiten beim Wasserlassen. An welche Erkrankung sollte man denken?

  1. AEinfache Muskelzerrung
  2. BNierensteine
  3. CKauda-equina-Syndrom
  4. DVerstopfung

3Lösungen

1.Laborwerte und Elektrolyte

Antwort: D · In den ersten 15 Minuten

Warum das die Antwort ist

Akute hämolytische und anaphylaktische Reaktionen treten meist früh auf, daher wird die Transfusion langsam begonnen, und die Pflegefachperson bleibt etwa in den ersten 15 Minuten beim Patienten und kontrolliert die Vitalzeichen vor, während und nach der Transfusion nach Vorschrift.

Antwort

D · In den ersten 15 Minuten
2.Laborwerte und Elektrolyte

Antwort: B · Niedriges Kalium und niedriges Natrium durch Verluste über den Urin

Warum das die Antwort ist

In der polyurischen Phase der AKI verlieren die sich erholenden Tubuli große Mengen Wasser und Elektrolyte, daher können Dehydratation, Hypokaliämie und Hyponatriämie auftreten. Tägliches Wiegen, Ein- und Ausfuhr und häufige Elektrolytkontrollen leiten den Ersatz.

Antwort

B · Niedriges Kalium und niedriges Natrium durch Verluste über den Urin
3.Interpretation der arteriellen Blutgasanalyse

Antwort: Osm = 318 mOsm/kg

Abgeleitete Werte: Die berechnete Serumosmolalität ist 2·Na⁺ + Glukose + Harnstoff, alle Werte in mmol/L (2·Na⁺ + Glukose/18 + BUN/2,8 mit Glukose und BUN in mg/dL); normal sind etwa 275–295 mOsm/kg. Der P/F-Quotient ist PaO₂ geteilt durch FiO₂ als Bruch. Der alveoläre Sauerstoffdruck ist auf Meereshöhe PAO₂ = FiO₂·(760 − 47) − PaCO₂/0,8 mmHg, und der A–a-Gradient ist PAO₂ − PaO₂.

Berechnete Osmolalität

Osm = 2·134 + 25,9 + 24 = 317,9 ≈ 318 mOsm/kg

Antwort

Osm = 318 mOsm/kg
4.Interpretation der arteriellen Blutgasanalyse

Antwort: A–a-Gradient = 76,64 mmHg

Abgeleitete Werte: Die berechnete Serumosmolalität ist 2·Na⁺ + Glukose + Harnstoff, alle Werte in mmol/L (2·Na⁺ + Glukose/18 + BUN/2,8 mit Glukose und BUN in mg/dL); normal sind etwa 275–295 mOsm/kg. Der P/F-Quotient ist PaO₂ geteilt durch FiO₂ als Bruch. Der alveoläre Sauerstoffdruck ist auf Meereshöhe PAO₂ = FiO₂·(760 − 47) − PaCO₂/0,8 mmHg, und der A–a-Gradient ist PAO₂ − PaO₂.

Alveolärer Sauerstoff

PAO₂ = 0,28·713 − 32/0,8 = 199,6 − 40 = 159,6 mmHg

Gradient

A–a = 159,6 − 83 = 76,64 mmHg

Antwort

A–a-Gradient = 76,64 mmHg
5.Klinische Pharmakokinetik

Antwort: LD = 850 mcg

Clearance und Volumen: Im Steady State entspricht die Dosierungsrate der Eliminationsrate, daher gilt die Erhaltungsrate = CL × Css. Eine Aufsättigungsdosis ist LD = Vd × C/(S × F), wobei S der Salzfaktor (Anteil des Wirkstoffs im Salz) und F die Bioverfügbarkeit (1 bei i.v.) ist. Aus zwei Spiegeln ergibt sich k = ln(C₁/C₂)/Δt; bei einem i.v. Bolus gilt Vd = Dosis/C₀ und CL = k × Vd. Die Zahlen dienen nur der Übung; halte dich am Patientenbett immer an die örtlichen Standards und lass Hochrisiko-Dosen doppelt kontrollieren.

Verteilungsvolumen

Vd = 7·85 = 595 L

Benötigte Menge an Wirkstoff

Vd·C = 595·1 = 595 mcg

Aufsättigungsdosis

LD = 595/(1·0,7) = 850 mcg

Antwort

LD = 850 mcg

In der Praxis wird die Dosis auf eine praktische Menge gerundet.

6.Klinische Pharmakokinetik

Antwort: D = 209,3 mg

Ein Dosierschema entwerfen: Bei schnellen i.v. Dosen fällt der Spiegel im Intervall vom Spitzen- auf den Talspiegel, daher gilt τ = ln(Cpeak/Ctrough)/k, und die Dosis, die den Spitzenspiegel wiederherstellt, ist Vd × (Cpeak − Ctrough). Der mittlere Steady-State-Spiegel ist Css,avg = S·F·Dosis/(CL·τ). Bei einer Infusion steigt der Spiegel als C = (R/CL)(1 − e−kt). Bei einem über die Nieren ausgeschiedenen Arzneimittel wird die Dosis mit der Kreatinin-Clearance angepasst. Die Zahlen dienen nur der Übung; halte dich am Patientenbett immer an die örtlichen Standards und lass Hochrisiko-Dosen doppelt kontrollieren.

Verteilungsvolumen

Vd = 0,3·93 = 27,9 L

Dosis

D = 27,9·(8 − 0,5) = 209,3 mg

Antwort

D = 209,3 mg

In der Praxis wird die Dosis auf eine praktische Menge gerundet.

7.Klinische Pflege

Antwort: A · Umlagern und Ablenkung

Warum das die Antwort ist

Lagerung, Wärme oder Kälte, wo sicher, Entspannung, Ablenkung und Erklärungen können zusätzlich zu Schmerzmitteln den Schmerz verringern.

Antwort

A · Umlagern und Ablenkung
8.Klinische Pflege

Antwort: C · Kauda-equina-Syndrom

Warum das die Antwort ist

Reithosenanästhesie, Blasen- oder Darmfunktionsstörungen und Beinsymptome mit Rückenschmerzen sprechen für ein Kauda-equina-Syndrom. Es erfordert eine Notfall-MRT und eine chirurgische Beurteilung, um einen bleibenden Funktionsverlust zu verhindern.

Antwort

C · Kauda-equina-Syndrom

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