Durchbiegung: Übungsaufgaben mit Schritt-für-Schritt-Lösungen

Auch genannt: Biegelinie · Durchbiegung von Balken

Kostenlose Übungsaufgaben zu Durchbiegung mit Skizzen, Tipps und vollständigen Musterlösungen. Jedes Mal neue Werte, in drei Stufen: Kragarm, Endlast, Gleichstreckenlast, Superposition und Bemessung.

Kostenlose ÜbungsaufgabeLeicht
P = 3 kNδL = 1,5 m

Ein Kragarm trägt an seinem freien Ende eine Einzellast P. Bestimme die Durchbiegung δ am freien Ende.

P = 3 kNL = 1,5 mE = 200 GPa (Stahl)I = 8,5 × 10⁶ mm⁴
mm
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Was du übst

  1. LeichtKragarm, Endlast
  2. MittelGleichstreckenlast
  3. SchwerSuperposition und Bemessung

Wichtige Formeln

Einzellast in Feldmitte
δ = PL³/(48EI)
Gleichstreckenlast, Einfeldträger
δ = 5wL⁴/(384EI)
Kragarm, Endlast
δ = PL³/(3EI)
Kragarm, Gleichstreckenlast
δ = wL⁴/(8EI)
Überlagerungssatz
δ = δ1 + δ2

Durchbiegung von Grund auf lernen

Davor: Querkraft und Biegemoment, Schwerpunkt und Flächenträgheitsmoment

1Was Durchbiegung ist

Jeder Balken biegt sich unter Last ein wenig. Die Strecke, um die sich ein Punkt des Balkens nach unten bewegt, ist seine Durchbiegung δ, meist in mm.

PδL

Ein Balken kann stark genug sein und sich trotzdem zu stark durchbiegen. Dann federn Decken, Putz reißt und Türen klemmen. Ein üblicher Grenzwert für Decken ist Spannweite/360: Eine 3,6 m lange Decke darf sich höchstens 10 mm durchbiegen.

Wie stark sich ein Balken durchbiegt, hängt von vier Dingen ab:

  • der Last: doppelte Last ergibt doppelte Durchbiegung;
  • der Spannweite: Die Durchbiegung wächst mit der Länge sehr schnell (L³ oder L⁴);
  • dem Elastizitätsmodul E des Werkstoffs: steiferes Material biegt sich weniger;
  • dem Flächenträgheitsmoment I des Querschnitts: ein höherer Querschnitt biegt sich weniger.

E und I treten immer zusammen als Produkt EI auf, die Biegesteifigkeit des Balkens.

Selbsttest Du ersetzt einen Balken durch einen mit doppeltem Flächenträgheitsmoment I. Alles andere bleibt gleich. Was geschieht mit der Durchbiegung?
  1. Er bleibt gleich
  2. Sie halbiert sich
  3. Sie verdoppelt sich
  4. Sie wird ein Viertel

Antwort: Sie halbiert sich. Die Durchbiegung ist umgekehrt proportional zu EI. Verdoppelst du I, halbiert sich δ.

2Die Standardformeln

Durchbiegungen ergeben sich durch zweimaliges Integrieren des Biegemoments, aber für die üblichen Fälle ist das Ergebnis tabelliert. Vier Fälle decken die meisten Aufgaben ab:

  • Kragarm, Einzellast P am freien Ende: δ = P·L³ / (3·E·I)
  • Kragarm, Streckenlast w über die ganze Länge: δ = w·L⁴ / (8·E·I)
  • Einfacher Balken, Einzellast P in Feldmitte: δmax = P·L³ / (48·E·I)
  • Einfacher Balken, Streckenlast w über die ganze Spannweite: δmax = 5·w·L⁴ / (384·E·I)
PδL

Beim Kragarm liegt die größte Durchbiegung am freien Ende; beim einfachen Balken mit symmetrischen Lasten liegt sie in Feldmitte.

Wenn ein Balken mehrere Lasten trägt, addieren sich die Durchbiegungen jeder einzelnen Last. Das ist die Superposition.

Selbsttest Ein Kragarm mit einer Last am Ende hat eine Durchbiegung an der Spitze von 2 mm. Der Kragarm wird doppelt so lang gemacht. Wie groß ist die neue Durchbiegung?
  1. 16 mm
  2. 32 mm
  3. 4 mm
  4. 8 mm

Antwort: 16 mm. δ ist proportional zu L³, also multipliziert eine Verdopplung von L die Durchbiegung mit 2³ = 8: 2·8 = 16 mm. 4 mm behandelt es als linear; 32 mm verwendet L⁴, was der Fall der Streckenlast ist.

3Einheiten: Rechne in N und mm

Die Formeln funktionieren nur mit konsistenten Einheiten. Die sichere Wahl sind Newton und Millimeter:

  • P in N: kN × 1000.
  • w in N/mm: 1 kN/m sind genau 1 N/mm.
  • L in mm: m × 1000.
  • E in N/mm²: GPa × 1000. Stahl: 200 GPa = 200 000 N/mm².
  • I in mm⁴: „36 × 10⁶ mm⁴“ bedeutet 36 000 000 mm⁴.

Die Durchbiegung ergibt sich dann in mm. Weil L in die dritte oder vierte Potenz erhoben wird, werden die Zahlen groß. Ein Taschenrechner mit Zehnerpotenzen hält sie im Griff.

Selbsttest Ein Balken besteht aus Stahl, E = 200 GPa. Welchen Wert von E verwendest du mit N und mm?
  1. 0,2 N/mm²
  2. 200 000 000 N/mm²
  3. 200 000 N/mm²
  4. 200 N/mm²

Antwort: 200 000 N/mm². 1 GPa = 1000 MPa = 1000 N/mm², also 200 GPa = 200 000 N/mm². Mit 200 wird die Durchbiegung 1000-mal zu groß.

4Das Verfahren Schritt für Schritt

  1. Bestimme den Fall: Kragarm oder einfacher Balken, Einzellast oder Streckenlast.
  2. Rechne P, w, L, E und I in N und mm um.
  3. Wähle die passende Formel.
  4. Berechne δ in mm.
  5. Bei mehreren Lasten: Berechne jede einzeln und addiere sie.
  6. Bei einer Bemessungsaufgabe: Setze δ gleich dem zulässigen Wert (zum Beispiel L/360) und löse nach I auf.

5Ein durchgerechnetes Beispiel

Folge jedem Schritt. Versuche, den nächsten vorherzusagen, bevor du ihn öffnest.

Durchgerechnetes Beispiel

Ein Stahl-Kragarm (E = 200 GPa, I = 36 × 10⁶ mm⁴) ist 3 m lang und trägt an seinem freien Ende eine Einzellast von 8 kN. Bestimme die Durchbiegung am freien Ende.

1

Bestimme den Fall

P = 8 kNδL = 3 m

Ein Kragarm mit einer Einzellast am freien Ende: δ = PL³/(3EI).

2

Rechne in N und mm um

P = 8000 N, L = 3000 mm, E = 200 000 N/mm², I = 36 000 000 mm⁴.

3

Biegesteifigkeit

E·I = 200 000 · 36 × 10⁶ = 7,2 × 10¹² N·mm²
4

Durchbiegung an der Spitze

L³ = 3000³ = 2,7 × 10¹⁰ mm³
δ = 8000 · 2,7 × 10¹⁰ / (3 · 7,2 × 10¹²) = 10 mm
5

Antwort prüfen

10 mm bei einem 3 m langen Kragarm sind L/300. Das ist eine realistische Größe für einen belasteten Stahlträger: weder ein Bruchteil eines Millimeters noch zig Zentimeter.

Antwort

Das freie Ende biegt sich um δ = 10 mm durch.

6Häufige Fehler

  • Einheiten vermischen: L in Metern mit E in N/mm² ergibt Unsinn. Rechne zuerst alles in N und mm um.
  • E in GPa lassen, wodurch δ 1000-mal zu groß wird.
  • Den falschen Fall verwenden, zum Beispiel PL³/(48EI) für einen Kragarm. Prüfe die Lager und die Lastart.
  • Die 5 in 5wL⁴/(384EI) vergessen.
  • Bei der Superposition für jede Last eine andere Formel verwenden, aber eine der Lasten vergessen.
Selbsttest Ein einfacher Balken trägt eine Einzellast in Feldmitte, die allein 4 mm ergibt, und eine Streckenlast, die allein 6 mm ergibt. Wie groß ist die Durchbiegung in Feldmitte?
  1. 10 mm
  2. 2 mm
  3. 24 mm
  4. 6 mm

Antwort: 10 mm. Durch Superposition addieren sich die Durchbiegungen jeder Last: 4 + 6 = 10 mm. Nur die größere zu nehmen, die Differenz oder das Produkt sind alle falsch.

7So sehen Prüfungsaufgaben aus

  • Leicht: Kragarm mit Last am Ende. Bestimme δ = PL³/(3EI). Varianten: ein einfacher Balken mit mittiger Last, die Endneigung oder die Last, die eine bestimmte Durchbiegung ergibt.
  • Mittel: gleichmäßige Last. Ein Kragarm (wL⁴/8EI) oder ein einfacher Balken (5wL⁴/384EI). Varianten: außermittige Lasten und Endneigungen.
  • Schwer: Superposition und Bemessung. Addiere die Durchbiegungen einer Einzellast und einer Streckenlast oder bestimme das kleinste I, das δ unter L/360 hält.

Für den Bemessungsfall: Ierf = 5wL⁴ / (384·E·δzul), mit δzul = L/360.

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Beispielaufgaben

Beispiel 1Leicht
P = 19 kNABδ2 m2 m

Ein Einfeldträger trägt in Feldmitte eine Einzellast P. Bestimme die Durchbiegung δmax in Feldmitte.

P = 19 kNL = 4 mE = 200 GPa (Stahl)I = 12 × 10⁶ mm⁴

Gesucht: δmax (mm)

Tipps anzeigen
  1. Für einen Einfeldträger mit mittiger Einzellast ist die Durchbiegung in Feldmitte δ = PL³/(48EI).
  2. Rechne in N und mm: P in N, w in N/mm (kN/m = N/mm), L in mm, E in N/mm² (GPa × 1000), I in mm⁴.
  3. EI = 2,4 × 10¹² N·mm².
Antwort und Schritt-für-Schritt-Lösung anzeigen

Durchbiegung von Balken: Durchbiegungen erhält man durch zweimaliges Integrieren der Krümmung M/(EI). Standardfälle sind tabelliert, zum Beispiel PL³/(3EI) für einen Kragarm mit Endlast und 5wL⁴/(384EI) für einen Einfeldträger unter voller Gleichstreckenlast. Durchbiegungen aus verschiedenen Lasten addieren sich (Superposition).

Konsistente Einheiten

Rechne in N und mm: P in N, w in N/mm (kN/m = N/mm), L in mm, E in N/mm² (GPa × 1000), I in mm⁴.

P = 19000 N, L = 4000 mm
EI = 2,4 × 10¹² N·mm²

Durchbiegung in Feldmitte

δmax = PL³/(48EI) = 19000·4000³/(48·2,4 × 10¹²) = 10,56 mm

Antwort

δmax = 10,56 mm
Beispiel 2Mittel
P = 26 kNABδ2 m4 m

Ein Kragarm der Länge L ist in A eingespannt und trägt eine Einzellast P im Abstand a = 2 m von A. Bestimme die Durchbiegung δB am freien Ende B.

P = 26 kNa = 2 mL = 6 mE = 200 GPa (Stahl)I = 84 × 10⁶ mm⁴

Gesucht: δB (mm)

Tipps anzeigen
  1. Der Teil zwischen A und der Last verhält sich wie ein Kragarm der Länge a mit Endlast: δ = Pa³/(3EI), θ = Pa²/(2EI).
  2. Hinter der Last gibt es kein Moment, dieser Teil bleibt also gerade: δB = Pa³/(3EI) + Pa²/(2EI)·(L − a) = Pa²(3L − a)/(6EI).
  3. a = 2000 mm, EI = 1,68 × 10¹³ N·mm².
Antwort und Schritt-für-Schritt-Lösung anzeigen

Durchbiegung von Balken: Durchbiegungen erhält man durch zweimaliges Integrieren der Krümmung M/(EI). Standardfälle sind tabelliert, zum Beispiel PL³/(3EI) für einen Kragarm mit Endlast und 5wL⁴/(384EI) für einen Einfeldträger unter voller Gleichstreckenlast. Durchbiegungen aus verschiedenen Lasten addieren sich (Superposition).

Konsistente Einheiten

Rechne in N und mm: P in N, w in N/mm (kN/m = N/mm), L in mm, E in N/mm² (GPa × 1000), I in mm⁴.

P = 26000 N, a = 2000 mm, L = 6000 mm
EI = 1,68 × 10¹³ N·mm²

Durchbiegung am freien Ende

Durchbiegung an der Last plus Neigung an der Last mal Restlänge.

δP = Pa³/(3EI) = 4,127 mm
θP = Pa²/(2EI) = 0,003095 rad
δB = δP + θP·(L − a) = Pa²(3L − a)/(6EI) = 16,51 mm

Antwort

δB = 16,51 mm
Beispiel 3Schwer
w = 4 kN/mABδ3 m

Ein Holzbalken als Einfeldträger mit Rechteckquerschnitt, 100 mm breit, trägt über die ganze Spannweite eine Gleichstreckenlast w. Seine Durchbiegung in Feldmitte darf Spannweite/360 nicht überschreiten. Bestimme die kleinste Querschnittshöhe hreq.

w = 4 kN/mL = 3 mE = 11 GPa (Holz)b = 100 mm

Gesucht: hreq (mm)

Tipps anzeigen
  1. Setze die Durchbiegung in Feldmitte 5wL⁴/(384EI) gleich dem Grenzwert und löse nach dem erforderlichen I auf.
  2. Verwende dann I = bh³/12 für das Rechteck und löse nach h auf.
  3. Ireq = 4,602 × 10⁷ mm⁴.
Antwort und Schritt-für-Schritt-Lösung anzeigen

Durchbiegung von Balken: Durchbiegungen erhält man durch zweimaliges Integrieren der Krümmung M/(EI). Standardfälle sind tabelliert, zum Beispiel PL³/(3EI) für einen Kragarm mit Endlast und 5wL⁴/(384EI) für einen Einfeldträger unter voller Gleichstreckenlast. Durchbiegungen aus verschiedenen Lasten addieren sich (Superposition).

Konsistente Einheiten

Rechne in N und mm: P in N, w in N/mm (kN/m = N/mm), L in mm, E in N/mm² (GPa × 1000), I in mm⁴.

w = 4 N/mm, L = 3000 mm, E = 11000 N/mm²

Grenzwert der Durchbiegung

δallow = L/360 = 3000/360 = 8,333 mm

Erforderliches Flächenträgheitsmoment

Ireq = 5wL⁴/(384·E·δallow) = 5·4·3000⁴/(384·11000·8,333) = 4,602 × 10⁷ mm⁴

Erforderliche Höhe

bh³/12 = Ireq → h = (12·4,602 × 10⁷/100)1/3 = 176,8 mm

Antwort

hreq = 176,8 mm

In der Praxis wählt man die nächste Standardhöhe über diesem Wert.

Fragen und Antworten

Durchbiegung: Worum geht es?

Jeder Balken biegt sich unter Last ein wenig. Die Strecke, um die sich ein Punkt des Balkens nach unten bewegt, ist seine Durchbiegung δ, meist in mm.

Ein Balken kann stark genug sein und sich trotzdem zu stark durchbiegen. Dann federn Decken, Putz reißt und Türen klemmen. Ein üblicher Grenzwert für Decken ist Spannweite/360: Eine 3,6 m lange Decke darf sich höchstens 10 mm durchbiegen.

Durchbiegung: Wie löst man die Aufgaben Schritt für Schritt?

Durchbiegung von Balken: Durchbiegungen erhält man durch zweimaliges Integrieren der Krümmung M/(EI). Standardfälle sind tabelliert, zum Beispiel PL³/(3EI) für einen Kragarm mit Endlast und 5wL⁴/(384EI) für einen Einfeldträger unter voller Gleichstreckenlast. Durchbiegungen aus verschiedenen Lasten addieren sich (Superposition).

Durchbiegung: Welche Fehler passieren am häufigsten?
  • PL³/(3EI) gilt für den Kragarm mit Endlast. Ein Einfeldträger mit mittiger Last biegt sich um PL³/(48EI) durch.
  • Der Beiwert 5/384 gehört zu einer Gleichstreckenlast (mit wL⁴). Für eine mittige Einzellast verwende 1/48.
  • Das ist die Durchbiegung unter der Last. Hinter der Last ist der Balken gerade, aber geneigt, also addiere θ·(L − a).
Durchbiegung: Was wird geübt?
  • Leicht: Kragarm, Endlast
  • Mittel: Gleichstreckenlast
  • Schwer: Superposition und Bemessung

Jede Aufgabe hat neue Werte, so lernst du den Lösungsweg statt einer Antwort. Du hängst fest? Öffne zuerst einen kleinen Tipp und die vollständige Erklärung erst, wenn du sie brauchst.

So funktioniert das Üben

  • Jede Aufgabe hat neue Werte, so lernst du den Lösungsweg statt einer Antwort.
  • Du hängst fest? Öffne zuerst einen kleinen Tipp und die vollständige Erklärung erst, wenn du sie brauchst.
  • Dein Fortschritt, deine Fehler und gespeicherten Aufgaben bleiben erhalten, damit du vor der Prüfung wiederholen kannst.

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